Die falsche Frage — und die richtige
„Kirsten, soll ich jetzt zu Claude wechseln?“ Wenn ich für jede Version dieser Frage einen Euro bekommen hätte, wäre das hier ein sehr kurzer Artikel.
Meine Antwort beginnt immer gleich: „Welcher Chatbot ist besser?“ ist ein Duell, das Tech-Portale gern ausrufen, weil es Klicks bringt. Für dein Business zählt eine andere Frage: Was soll das Werkzeug bei dir eigentlich tun — und mit welchem arbeitest du am Ende lieber? Ich habe lange intensiv mit beiden gearbeitet — und bin am Ende komplett gewechselt. Warum, erzähle ich dir ehrlich — ohne dir das Tool madigzureden, das vermutlich auch dein Einstieg war.
ChatGPT war der Platzhirsch — und für fast alle der Einstieg
Fangen wir ehrlich an, denn alles andere wäre unseriös: ChatGPT war die erste KI, die wirklich für alle zugänglich war — kein Fachwissen, kein Spezialzugang, einfach ein Chatfenster. Mit diesem demokratisierten Zugang sind die meisten ins KI-Zeitalter eingestiegen — wahrscheinlich auch du. Deshalb erinnern sich so viele noch an ihre ersten Schritte dort. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon über zwei Jahrzehnte mit KI zu tun — und genau deshalb war für mich sofort klar, wie groß dieser Moment war. Und ChatGPT ist längst nicht mehr „nur ein Chatfenster“ — da hat sich einiges getan:
- Ein Arbeits-Agent, der aus einem Ziel ganze Ergebnisse baut — Tabellen, Folien, Dokumente, sogar kleine Webseiten —, und das über mehrere Programme hinweg.
- Ein Code-Bereich, mit dem sich Anwendungen entwickeln lassen.
- Geplante, wiederkehrende Aufträge, die im Hintergrund für dich laufen.
Das ist stark, und ich nenne es bewusst so klar. Wer heute noch erzählt, ChatGPT könne „nur chatten“, hat die letzten Monate verschlafen. Wenn ChatGPT dein Werkzeug ist und dich gut durch deinen Alltag trägt — lass dich von niemandem zum Wechsel drängen, auch nicht von mir. Ein Tool zu wechseln, nur weil gerade alle darüber reden, ist genau das Tool-Hopping, von dem ich immer abrate.
Doch dann ist etwas passiert, womit ich selbst lange nicht gerechnet hatte: Anthropic ist mit Claude vorbeigezogen — erst leise, dann unübersehbar. Meine ersten Claude-Erfahrungen habe ich im Sommer 2024 gemacht, mit dem sogenannten Vibe-Coding — Software bauen im Dialog, ohne Programmierkenntnisse. Anfang 2026 bin ich dann komplett gewechselt, in den Max-Plan. Heute laufen 90 Prozent meines Business über Claude; für mich ist es inzwischen schlicht das Nonplusultra. Warum, das lege ich dir in drei Gründen offen.
Grund 1: In der Gesamtheit die besseren Ergebnisse
Für mich ist das Entscheidende nicht, welches Tool die längere Feature-Liste hat — sondern was am Ende bei mir auf dem Tisch liegt. Und da liefert Claude in der Gesamtheit die besseren Ergebnisse.
„In der Gesamtheit“ ist mir wichtig. Es geht nicht um die eine perfekte Antwort auf eine Testfrage. Es geht um das große Ganze: die Qualität der Texte, die Tiefe der Analysen, die Sauberkeit, mit der aus einem Konzept ein fertiges Ergebnis wird. Über Claude laufen inzwischen 90 Prozent meines Business — und das ist längst mehr als eine Webseite. Ich habe damit unzählige Webseiten gebaut, mehrere eigene Apps (wie die erste entstand, liest du hier), eigene Software-Lösungen, Automationen, Agenten, die mir zuarbeiten, und ganze Dashboards, über die ich mein Unternehmen steuere. Dazu das Tagesgeschäft: Auswertungen, Konzepte, der Newsletter. In diesem täglichen Einsatz, über Monate, ist Claude für mich schlicht das Werkzeug, dem ich die anspruchsvollen Sachen anvertraue.
Grund 2: Ich schaue, wer hinter dem Werkzeug steht
Ein Werkzeug, mit dem ich jeden Tag arbeite und dem ich mein Business anvertraue, ist für mich keine reine Feature-Entscheidung. Ich schaue mir auch an, wer dahintersteht und wie das Unternehmen geführt wird.
Und da fühle ich mich bei Anthropic, dem Unternehmen hinter Claude, wohler. Ich habe den Eindruck, dass sie sich ehrlich an den Bedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden orientieren — dass jemand darüber nachgedacht hat, wie Menschen wie ich wirklich arbeiten wollen. Das ist eine persönliche Einschätzung, keine Abrechnung mit anderen. Aber es gehört zu meiner Wahl dazu: Wenn ich ein Werkzeug so tief in mein Business lasse, will ich mich mit der Haltung dahinter wohlfühlen. Bei Claude ist das der Fall.
Grund 3: Ich habe die teure Stufe von ChatGPT ein halbes Jahr selbst genutzt
Das ist mein handfestester Grund, weil er nicht auf Gefühl beruht, sondern auf eigenem Geld und einem echten Versuch über ein halbes Jahr.
Gestartet bin ich wie die meisten: mit dem normalen Abo für rund 20 Euro im Monat. 2025 habe ich dann bewusst aufgerüstet und ein halbes Jahr lang die höchste Abo-Stufe genutzt — die für rund 220 Euro im Monat. Ich wollte wissen: Was bringt mir das jetzt wirklich mehr? Und ganz ehrlich: Ich habe da bei Weitem nicht das rausbekommen, was ich heute mit Claude Max bekomme. Nicht qualitativ, nicht inhaltlich und auch nicht vom Umfang her.
Das sage ich bewusst so deutlich, weil viele beim Vergleich Äpfel mit Birnen vergleichen — die Gratis-Version des einen mit der Bezahlversion des anderen. Ich habe oben gegen oben getestet, mit echtem Budget, über echte Projekte. Und das Ergebnis war für mich eindeutig — Anfang 2026 habe ich die Konsequenz gezogen und bin komplett zu Claude Max gewechselt. Was die Claude-Tarife kosten und wann sich welcher lohnt, habe ich dir in Was kostet Claude? aufgeschlüsselt — inklusive meiner Empfehlung, ab wann Max sich wirklich rechnet.
Wofür ich ChatGPT heute trotzdem noch nutze
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe ChatGPT nicht abgeschafft. Es gibt einen Bereich, in dem es für mich bis heute unersetzt ist — und der gehört in jeden ehrlichen Vergleich.
Meine eigenen KI-Assistenten laufen dort. In ChatGPT kannst du individuelle GPTs bauen — Assistenten mit eigenem Wissen und einer klar umrissenen Aufgabe — und sie direkt an andere weitergeben. Genau das mache ich mit meinen Freedo-GPTs: maßgeschneiderte Assistenten, die ich über meetfreedo.com verkaufe — genutzt werden sie anschließend direkt im eigenen ChatGPT-Konto meiner Kundinnen. Bei Claude gibt es dafür bislang keinen vergleichbaren Weg — Skills baue ich dort für mein eigenes Business, aber einen Ort, an dem andere sie direkt nutzen können, gibt es (noch) nicht.
Das ist keine Fußnote, sondern ein echter Punkt für ChatGPT: Wenn deine Kundinnen in ChatGPT arbeiten, ist ein eigener GPT der kürzeste Weg zu ihnen. Arbeitsteilung statt Entweder-oder — meine Business-Arbeit läuft über Claude, und ein Teil meiner Produkte wird über ChatGPT ausgeliefert.
Der Vergleich auf einen Blick
Weil beide Tools heute vieles können, ist eine ehrliche Tabelle keine Liste von „kann / kann nicht“ mehr, sondern eine Frage der Schwerpunkte:
| ChatGPT | Claude | |
|---|---|---|
| Chat, Ideen, schnelle Texte | stark, sehr bekannt | stark |
| Eigene Wissensbasis | Projekte-Prinzip | Projekte — plus Skills: Fähigkeiten, die du einmal im Gespräch beibringst und immer wieder nutzt |
| Arbeits-Agent (baut ganze Ergebnisse) | ja, über mehrere Apps hinweg | ja — in der Claude App als Cowork direkt auf deiner Arbeitsoberfläche |
| Webseiten & Apps bauen | möglich | Kern-Stärke (Claude Code) — damit sind meine Webseiten, Apps und Dashboards entstanden |
| Eigene Assistenten an Kundinnen weitergeben | ja — individuelle GPTs; so liefere ich meine Freedos aus | Skills nur für den eigenen Gebrauch, kein vergleichbarer Weg |
| Geplante, wiederkehrende Aufträge | ja | ja |
| Mein Ergebnis im Dauereinsatz | gut | für mich in der Gesamtheit besser — deshalb meine Wahl |
| Preise (Stand August 2026) | kostenlos; Go 8 €, Plus 23 €, Pro 229 € — brutto pro Monat | kostenlos; Pro 17,85 € brutto, Max ab 90 € netto pro Monat |
Du siehst: Auf der Feature-Ebene sind die beiden näher beieinander, als die Duell-Artikel behaupten. Der Unterschied, der für mich zählt, steht in der vorletzten Zeile — und der lässt sich nur im echten Einsatz erfahren, nicht aus einer Tabelle ablesen.
Meine ehrliche Einschränkung
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Nichts von dem, was ich mit Claude gebaut habe, passierte „auf Knopfdruck“. Jedes dieser Ergebnisse ist geführte Arbeit — ich entscheide, Claude baut. Ich bin keine Entwicklerin, Jahrgang 1972, und trotzdem läuft das, weil ich die KI führe wie eine neue Mitarbeiterin in der ersten Woche: klare Ansage, mein Material dazu, nachfordern, kontrollieren.
Wer einen Automaten erwartet, der das Business nebenbei erledigt, wird mit jedem der beiden Tools unglücklich. Das ist keine Claude-Frage, das ist eine Haltungsfrage — und der Kern von allem, was ich hier schreibe: weniger Tools, klarere Jobs, mehr Besitz.
Und was ist mit deinen eigenen Quellen?
Nur der Vollständigkeit halber, weil die Frage oft kommt: Wenn es darum geht, ausschließlich mit meinen eigenen Dokumenten zu arbeiten — ohne dass die KI etwas dazuerfindet —, nutze ich keins von beiden, sondern NotebookLM. Warum, und wie das genau funktioniert, steht in Was ist NotebookLM?. Auch das gehört zu einer ehrlichen Antwort: Nicht jedes Werkzeug muss alles können.
So testest du es richtig (eine Woche reicht)
Egal, wie meine Wahl ausfällt — deine triffst du am besten nicht abstrakt, sondern mit einem echten Projekt:
- Kostenlos starten und einen Nachmittag die Arbeitsweise kennenlernen. Die Preisübersicht mit meiner Tarif-Empfehlung brauchst du erst, wenn es ernst wird.
- Eine echte Aufgabe wählen, die dich seit Wochen nervt: die Überarbeitung einer Angebotsseite, eine Auswertung, ein Text-Standard.
- Führen statt hoffen: Sag präzise, was du willst, gib dein Material dazu, fordere nach. Behandle die KI wie eine neue Mitarbeiterin in der ersten Woche.
- Nach sieben Tagen ehrlich bilanzieren: Was hat es ersetzt — an Stunden, an Aufträgen, an Warten? Dann weißt du mehr als aus zehn Vergleichsartikeln.
Meine Empfehlung in drei Fragen
- Nutzt du KI nur gelegentlich für Texte und Ideen? Bleib, wo du bist. Wechseln um des Wechselns willen ist Tool-Hopping.
- Willst du Standardprozesse auslagern, mit deinem eigenen Wissen arbeiten oder etwas bauen — eine Seite, ein Produkt, ein System? Dann teste beide mit einem echten Projekt und schau, womit du die besseren Ergebnisse bekommst. Bei mir ist das Claude.
- Bist du unsicher, was davon auf dein Business zutrifft? Dann ist das die eigentliche Baustelle — vor jeder Tool-Frage. Genau dafür ist mein Claude-Sprint gedacht: Dort setzen wir Claude gemeinsam in deinem Business um — die nächste Runde startet im August, die Plätze sind bewusst begrenzt.
Häufige Fragen
Ist Claude besser als ChatGPT?
ChatGPT war lange der Platzhirsch und entwickelt sich weiter — Arbeits-Agent, Code-Bereich, geplante Aufträge. Für mich persönlich ist Claude aber vorbeigezogen: Es liefert in der Gesamtheit die besseren Ergebnisse, 90 Prozent meines Business laufen inzwischen darüber, und ich fühle mich mit dem Unternehmen dahinter wohler. Deine Wahl kann anders ausfallen; entscheidend ist, womit du in deinem echten Business die besseren Ergebnisse bekommst.
Claude oder ChatGPT — was ist besser für Selbstständige?
Kommt auf deinen Einsatz an. Für gelegentliche Texte und Ideen sind die Unterschiede im Alltag kleiner, als die Duell-Artikel behaupten. Für Business-Arbeit — Prozesse auslagern, mit eigenem Wissen arbeiten, Seiten oder Produkte bauen — empfehle ich, beide mit einem echten Projekt zu testen. Ich selbst arbeite dafür mit Claude, weil das Ergebnis über Monate für mich überzeugender war.
Was kostet Claude im Vergleich zu ChatGPT?
Beide haben einen kostenlosen Einstieg. Bei ChatGPT kosten die Bezahl-Stufen aktuell (Stand August 2026) 8 € (Go), 23 € (Plus) und 229 € (Pro) brutto im Monat; bei Claude liegt Pro bei 15 € netto im Jahresabo, Max beginnt bei 90 € netto. Ich habe ChatGPT ein halbes Jahr in der höchsten Stufe genutzt und für mich deutlich weniger herausbekommen als heute mit Claude Max — qualitativ wie vom Umfang her. Die kompletten Claude-Tarife (Free, Pro, Max) mit meiner Empfehlung stehen in meinem Artikel Was kostet Claude?. Wichtiger als der Preis ist die Gegenrechnung: Was ersetzt das Werkzeug bei dir?
Wie gut ist Claude für Nicht-Techniker?
Sehr gut — das ist einer meiner Hauptgründe. Skills entstehen im Gespräch, Programme verbindest du per Klick, Eingaben funktionieren per Tastatur oder Sprache. Ich bin keine Entwicklerin und habe damit komplette Webseiten, Apps und Dashboards gebaut. Die ehrliche Einschränkung: Das ist geführte Arbeit, kein Automat — ich entscheide und kontrolliere, Claude baut.
Welche Erfahrungen hast du mit Claude gemacht?
Ich nutze Claude seit Sommer 2024. Unzählige Webseiten, mehrere eigene Apps, Automationen, Agenten und ganze Dashboards zur Steuerung meines Unternehmens sind seitdem im Dialog mit Claude entstanden — als Nicht-Technikerin, neben dem Tagesgeschäft. Über Monate im Dauereinsatz sind die Ergebnisse für mich in der Gesamtheit besser als das, was ich aus der höchsten ChatGPT-Stufe herausbekommen habe. Das ist meine ehrliche, subjektive Bilanz — deine eigene bekommst du nur, indem du es an einem echten Projekt ausprobierst.
Brauche ich am Ende beide?
Möglich — das ist keine Niederlage, sondern Arbeitsteilung. Bei mir selbst ist es genau so: Meine Business-Arbeit läuft über Claude, und gleichzeitig liefere ich meine individuellen KI-Assistenten — die Freedo-GPTs — über ChatGPT aus, weil meine Kundinnen sie dort direkt nutzen können. Entscheidend ist, dass jedes Werkzeug einen klaren Job hat — sonst sammelst du wieder nur Tools.