» blog · 19. September 2026 · Claude

Claude Cowork wird Claude: ein Chat für Docs, Slides, Design

Anthropic legt Chat und Cowork zusammen und bringt Claude Docs und Slides. Was davon in dein Pro- oder Max-Abo kommt — und was du wirklich brauchst.

Du hast Claude, du hast wenig Zeit — und vor jeder Aufgabe erst einmal die Frage, wo sie hingehört: Chat, Cowork oder Design. Das ist ab jetzt vorbei. Am 16. September 2026 hat Anthropic angekündigt, dass Claude Cowork und der normale Chat zu einem einzigen Claude zusammenwachsen. Dazu kommen zwei neue Werkzeuge, Claude Docs und Claude Slides, und Claude Design läuft ab jetzt direkt im Gespräch. Das Ganze wird in den nächsten Wochen an Pro- und Max-Abos ausgespielt. Die kurze Antwort vorweg: Die eigentliche Nachricht ist nicht Docs oder Slides. Es ist, dass die Entscheidung wegfällt.

Bisher musstest du vor jeder Aufgabe wissen, wo sie hingehört: kurze Frage in den Chat, größere Arbeit in Cowork, alles Visuelle in Design. Und was du in einem der drei angefangen hattest, kam im anderen nicht an. Anthropic schreibt selbst, dass genau das die Rückmeldung der Nutzerinnen war: Nicht die Werkzeuge waren das Problem, sondern die Frage, welches man nehmen soll. Ich gehe die Ankündigung so durch, wie ich sie gelesen habe: Was ändert sich, was sind die drei neuen Ebenen, was davon zählt für dich als Solo-Unternehmerin — und was du getrost überspringen kannst.

Was ändert sich bei Claude Cowork?

Es gibt keinen Modus mehr. Du beschreibst, was du brauchst, und Claude entscheidet, welches Werkzeug die Aufgabe braucht. Eine schnelle Frage bekommt weiterhin eine schnelle Antwort. Eine größere Aufgabe — Recherche, Bericht, Tabelle, Präsentation — arbeitet Claude in Schritten ab: sucht im Netz, liest deine Dateien, führt Code aus und setzt das Ergebnis zusammen. Du musst die Arbeit nicht mehr vorher in Schritte zerlegen, und du kannst mehrere Aufgaben gleichzeitig laufen lassen.

Das Zweite, was sich ändert: Größere Aufgaben laufen in der Cloud weiter, auch wenn du den Laptop zuklappst. Du kommst zurück, und das Ergebnis liegt im Gespräch. Vom Handy aus siehst du zwischendurch, wie weit Claude ist, beantwortest Rückfragen oder lenkst um. Nur Aufgaben, die Dateien oder Programme auf deinem Rechner brauchen, setzen weiterhin voraus, dass die Desktop-App offen ist.

Und das Dritte: Alles, was du in Cowork hattest, kommt mit — Chats, Projekte, Artefakte, Connectoren, Skills und Dateien. Deine alten Cowork-Aufgaben stehen jetzt in der normalen Verlaufsliste und lassen sich dort weiterführen. Das, was ich in Website mit Claude Cowork bauen und in Notion-Boards mit Claude gezeigt habe, funktioniert also weiter — nur ohne den Umweg, vorher „Cowork" auszuwählen.

Claude Docs, Slides und Design: drei Ebenen in einem Gespräch

Bisher war das, was Claude erstellt, ein Ergebnis am Ende eines Chats. Jetzt sind es Arbeitsflächen, in denen du weiterarbeitest. Alle drei sind auf den bezahlten Abos in der Beta.

Claude Docs

Du bittest um ein Dokument, und ihr schreibt es gemeinsam. Es ist kein fertiger Text, den Claude dir in den Chat wirft, sondern ein lebendes Dokument: Du änderst selbst darin, hinterlässt Claude Kommentare an einer Stelle, und andere können mitschreiben, wenn du es teilst. Es bleibt privat, bis du es freigibst. Zum Weitergeben gibt es einen Link, der auch auf dem Handy funktioniert, oder du exportierst es und öffnest es in Word oder Google Docs.

Claude Slides

Du bittest um eine Präsentation, und Claude entwirft die Folien. Du bearbeitest sie direkt, präsentierst aus Claude heraus oder lädst sie als PowerPoint oder PDF herunter. Weil Bericht und Folien aus demselben Gespräch kommen, passen sie zueinander — das war bisher der mühsame Teil.

Claude Design

Design gab es schon als eigenes Werkzeug; das bleibt auch so. Neu ist, dass es jetzt im Gespräch funktioniert. Du markierst ein Element und verschiebst es, oder du sagst Claude, was anders werden soll. Alles, was aus Docs, Slides oder Design kommt, liegt unter einem einzigen Link, den du teilen und vom Handy aus öffnen kannst.

Ein Beispiel, wie Anthropic es beschreibt

Ein Wochenbericht ist mittags fällig. Bevor du losfährst, fragst du Claude, was sich in der letzten Woche bewegt hat, und sagst dazu: „Schreib ihn so wie immer, markiere, was liegen geblieben ist, und pack die wichtigsten Punkte in fünf Folien." Ist etwas unklar, fragt Claude nach. Unterwegs schaust du vom Handy aus zu. Am Schreibtisch liegt der Bericht als Dokument, die Folien sind fertig. Du korrigierst eine Zeile selbst, hinterlässt Claude auf einer Folie einen Kommentar und teilst beides. Und wenn du willst, lässt du den Bericht jeden Montag von selbst anlaufen.

Übertragen auf ein Ein-Personen-Business ist das kein Wochenbericht ans Management. Es ist das Angebot nach dem Erstgespräch, das als Dokument entsteht und per Link rausgeht. Die Präsentation für den Workshop, die aus deinem Konzept-Dokument kommt und deshalb dieselben Aussagen trägt. Der Monatsblick auf deine Zahlen, der einmal eingerichtet wird und dann jeden Monatsersten da ist.

Wie viel Claude allein entscheiden darf

Im Eingabefeld gibt es eine Einstellung dafür. Standard ist Manuell: Claude fragt, bevor es handelt, und du gibst jede Aktion frei. Auto heißt: Claude arbeitet durch und meldet sich nur, wenn etwas genauer angeschaut werden muss; vorher laufen automatische Sicherheitsprüfungen. Die Einstellung gilt für das ganze Gespräch, du kannst sie jederzeit ändern und Claude jederzeit stoppen oder umlenken. Anthropics eigener Rat dazu, und meiner auch: Bei allem, was Folgen hat — Nachrichten verschicken, wichtige Dateien ändern — bleib dabei und schau hin.

Was davon für dich als Solo-Unternehmerin zählt

Nicht alles aus der Ankündigung ist für ein Ein-Personen-Business gleich wichtig. Meine Reihenfolge:

  1. Die Entscheidung fällt weg. Das ist der größte Punkt, und er ist unspektakulär. Viele haben Cowork nie angefasst, weil sie nicht wussten, wann es dran ist. Jetzt gibt es keinen falschen Einstieg mehr.
  2. Docs für alles, was du an Kunden gibst. Angebote, Konzepte, Zusammenfassungen: entstehen im Gespräch, du feilst selbst daran, es geht per Link raus. Ohne Kopieren in Word und zurück.
  3. Slides für Workshops und Vorträge. Aus dem Dokument werden Folien, die zum Dokument passen. Präsentieren direkt aus Claude oder als PowerPoint mitnehmen.
  4. Zuklappen und weiterarbeiten lassen. Die Recherche läuft, während du beim Kunden bist. Das war bisher Cowork-Wissen; jetzt ist es Standard.
  5. Wiederkehrende Aufgaben planen. Ein Ablauf, der jeden Montag oder jeden Monatsersten von selbst startet. Wie ein Ablauf zu einem wiederverwendbaren Baustein wird, steht in Claude Skills.

Weniger wichtig für dich: alles, was Anthropic für Enterprise-Admins schreibt, und die Feinheiten, wo im Menü welche Einstellung jetzt liegt. Eine davon solltest du trotzdem kennen: Die „Global instructions" aus Cowork heißen jetzt „Instructions for Claude" und stehen in den allgemeinen Einstellungen. Anthropic bittet ausdrücklich, dort einmal nachzusehen, ob die Anweisungen noch so sind, wie du sie willst.

Was diese Woche sonst noch angekündigt wurde

Projects werden Gespräche (17. September). Ein Projekt ist künftig kein Ordner mit Anweisungen mehr, sondern ein lang laufendes Gespräch, in dem Claude die Arbeit selbst aufteilt, parallele Stränge koordiniert und die Ergebnisse zusammensetzt. Das startet als Beta in Claude Code für ausgewählte Pro- und Max-Nutzer; die Übernahme in Chat und Cowork kommt danach. Deine bestehenden Projekte laufen unverändert weiter. Für dich heute: vormerken, nicht handeln.

Claude for Small Business (15. September). Das Plugin hat jetzt 43 Abläufe und 27 neue Anbindungen, darunter Shopify, Stripe, Zoom, Xero und Zapier, und wurde laut Anthropic über 900.000-mal installiert. Es läuft in Cowork — also ab jetzt in Claude — und ist auf jedem bezahlten Abo verfügbar. Der Haken für uns: Werkzeuge wie Gusto, Square oder QuickBooks sind auf den US-Markt zugeschnitten, und die kostenlosen Workshops finden in zehn US-Städten statt. Die Abläufe selbst — Wochenüberblick, Anfragen beantworten, Angebote schreiben — sind aber genau die, die auch hier anstehen. Anschauen lohnt sich, wenn du Zapier, Notion oder Google Workspace nutzt.

Wann bekommst du es — und woran erkennst du es?

Die Umstellung läuft in Stufen, auch innerhalb desselben Abos. Du musst nichts einschalten. Woran du es erkennst: Solange dein Eingabefeld noch die Auswahl „Chat" und „Cowork" zeigt, hast du es noch nicht — dann arbeitest du weiter wie bisher. Sobald dein Konto umgestellt ist, gibt es keinen Weg zurück zu den getrennten Fassungen. Team- und Free-Abos folgen „bald", Enterprise-Kunden bekommen mindestens 30 Tage Vorlauf.

Ein paar Dinge fehlen in der neuen Fassung noch, das schreibt Anthropic selbst: Ein Gespräch von einem früheren Punkt aus zu verzweigen geht nicht. Inkognito-Chats öffnen sich in der alten Fassung, dort kann Claude keine Dateien anlegen. Die Suche findet ältere Cowork-Aufgaben nicht, nur über die Verlaufsliste. Und die Funktion „Dispatch" bekommen neue Nutzer nicht mehr.

Zum Preis: Einen Aufpreis nennt Anthropic nicht. Docs, Slides und Design sind in den bezahlten Abos enthalten. Aber alles zählt auf dein Nutzungskontingent, und lange Aufgaben, die suchen, Code ausführen und Dateien erzeugen, verbrauchen deutlich mehr davon als eine schnelle Frage. Was die Abos kosten und welches zu welcher Arbeitsweise passt, steht in Was kostet Claude?

Was du jetzt tun solltest

  1. Nichts umbauen. Deine Chats, Projekte und Skills kommen mit. Wenn du bisher nur den Chat genutzt hast, ändert sich für dich erst mal gar nichts.
  2. Einmal ins Eingabefeld schauen. Auswahl „Chat" und „Cowork" noch da? Dann warten. Weg? Dann bist du drin.
  3. Das erste große Ding abgeben. Anthropics Rat: Nimm den nächsten Bericht oder die nächste Präsentation, die du sonst selbst gebaut hättest. Für dich: das nächste Angebot als Dokument.
  4. So briefen, wie du eine Kollegin briefen würdest. Anthropic nennt drei Dinge, die ein gutes Ergebnis brauchen: das gewünschte Ergebnis („eine einseitige Zusammenfassung"), das Format („als Word-Dokument") und die Unterlagen, aus denen Claude arbeiten soll.
  5. Anweisungen prüfen. Einstellungen öffnen, „Instructions for Claude" lesen, bereinigen.

Das Werkzeug ist der kleinere Teil. Der größere ist, was du damit baust. Genau darüber tauschen wir uns in meiner kostenlosen Community „KI — aber richtig" aus — dort liegen auch die Vorlagen und Workflows aus meinen Videos. Und wenn du das nicht allein, sondern begleitet machen willst: In der KI Business Community gibt es dafür monatliche Live-Calls und Workshops.

Häufige Fragen

Was passiert mit Claude Cowork?

Claude Cowork verschwindet als eigener Modus und geht in Claude auf. Alles, was Cowork konnte, ist danach aus jedem Gespräch heraus verfügbar, und bestehende Cowork-Aufgaben, Projekte, Connectoren, Skills und Dateien bleiben erhalten. Die Umstellung läuft in den nächsten Wochen zuerst für Pro- und Max-Abos.

Was ist Claude Docs?

Claude Docs ist ein lebendes Dokument, das du gemeinsam mit Claude im Gespräch schreibst. Du bearbeitest es selbst, hinterlässt Claude Kommentare, teilst es per Link oder exportierst es für Word oder Google Docs. Es ist in der Beta und in den bezahlten Abos enthalten.

Kann ich zwischen Chat und Cowork zurückwechseln?

Nein. Sobald dein Konto auf das neue Claude umgestellt ist, gibt es die getrennten Optionen Chat und Cowork nicht mehr. Solange dein Eingabefeld die beiden Optionen noch zeigt, hast du die neue Fassung noch nicht.

Wann bekomme ich das neue Claude im Pro- oder Max-Abo?

Anthropic spielt die neue Fassung seit dem 16. September 2026 in Stufen aus, auf Web, Desktop und Handy, über mehrere Wochen und ohne dass du etwas einschalten musst. Selbst Konten im selben Abo bekommen sie zu unterschiedlichen Zeiten. Team- und Free-Abos folgen später.

Die Entscheidung fällt weg. Die Frage bleibt.

Dieses Update nimmt dir eine Entscheidung ab, die dich nie weitergebracht hat: Chat, Cowork oder Design. Was es dir nicht abnimmt, ist die Entscheidung, die alles trägt — wofür du überhaupt sichtbar sein willst und was du verkaufst. Ein Dokument, das per Link rausgeht, ist erst dann ein Verkaufswerkzeug, wenn klar ist, was drinsteht.

Deshalb bleibt mein Rat derselbe wie bei jedem Update: Nicht das Werkzeug entscheidet, sondern der Ablauf, in den du es einbaust. Wie so ein Ablauf für dein Business aussieht, ist genau das, was wir im Claude-Sprint gemeinsam aufsetzen: fünf Tage live, in kleiner Runde, direkt an deinem Business.

Kirsten Biema
» kirsten biema

Die mit KI im Namen. Über 25 Jahre Unternehmerin, mehr als 10 davon online. Ich zeige dir die Systeme, mit denen du weniger arbeitest und deine Ziele trotzdem erreichst. YouTube: „KI — aber richtig". Solche Anleitungen regelmäßig? Hol dir den Newsletter.

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