Es gibt zwei Wege, eine Website mit KI zu bauen. Beim einen sagst du einem Baukasten, was du willst, und bekommst eine Seite, die im System des Anbieters lebt. Beim anderen entstehen echte Dateien auf deinem Rechner, die dir gehören — und du lädst sie irgendwo hoch.
Dieser Artikel beschreibt den zweiten Weg: Claude Cowork baut, Hostinger stellt online. Den ersten habe ich in Website mit KI erstellen beschrieben — wenn du eine fertige Seite in einer Stunde willst, ist der oft der bessere.
Was Claude Cowork ist — und was nicht
Cowork ist nicht das Chatfenster, das du kennst. Im Chat bekommst du Text, den du herauskopierst. In Cowork bekommt Claude einen Ordner auf deinem Rechner und arbeitet darin: legt Dateien an, ändert sie, benennt sie um, räumt auf.
Das klingt nach einem feinen Unterschied. Für eine Website ist es der ganze Unterschied. Eine Website besteht aus Dateien, die zusammengehören — eine Seite verweist auf die nächste, alle nutzen dieselbe Gestaltung. Im Chatfenster müsstest du jede einzeln herauskopieren und selbst zusammensetzen. In Cowork liegt am Ende ein fertiger Ordner da.
Wichtig zu verstehen, weil es sonst verwirrt: Die Sitzung läuft in der Cloud, nicht auf deinem Rechner. Claude erreicht deine Dateien nur, solange die Desktop-App offen ist, und nur in den Ordnern, die du ausdrücklich verbunden hast. Machst du die App zu, ist der Zugriff weg.
Der Unterschied zum Baukasten
| Baukasten (Horizon, Wix, IONOS) | Claude Cowork | |
|---|---|---|
| Wo liegt die Seite | Beim Anbieter | Als Dateien bei dir |
| Erste fertige Seite | Etwa eine Stunde | Ein halber Tag |
| Änderungen | Im Editor klicken | Sagen, neu hochladen |
| Umzug woanders hin | Geht meist nicht | Ordner kopieren, fertig |
| Du brauchst | Eine klare Vorstellung | Dazu: Bereitschaft, mit Dateien zu arbeiten |
Die letzte Zeile ist die ehrlichste. Wer nie mit Ordnern und Dateien gearbeitet hat, ist beim Baukasten schneller glücklich. Wer die Seite behalten will, auch wenn der Anbieter die Preise verdoppelt, nimmt diesen Weg.
Was du brauchst
| Baustein | Wofür | Kosten |
|---|---|---|
| Claude, bezahlter Tarif | Cowork ist in keinem Gratistarif enthalten | ab 15 € netto/Monat |
| Claude Desktop-App | Ohne sie kein Zugriff auf deine Dateien | kostenlos |
| Hosting mit Domain | Damit die Seite erreichbar ist | ab rund 3 €/Monat |
Cowork läuft auf allen bezahlten Claude-Tarifen — Pro reicht, Max ist nicht nötig. Die 15 € sind der Jahrespreis für Pro; monatlich gezahlt sind es rund 18 € netto. Alle Stufen im Vergleich stehen in Was kostet Claude.
Die Desktop-App gibt es für macOS und Windows. Auf dem Handy und im Browser gibt es Cowork inzwischen auch, aber ohne Zugriff auf deine lokalen Dateien — für eine Website brauchst du deshalb den Rechner.
Schritt für Schritt
1. Die Desktop-App installieren
Geh im Browser in deinen Claude-Account, dort auf Apps und Erweiterungen, und lade die Desktop-App herunter. Nach dem Klick bekommst du eine Anleitung angezeigt: Datei öffnen, installieren, fertig. Melde dich in der App mit demselben Konto an.
2. Einen Ordner anlegen und verbinden
Leg auf deinem Rechner einen leeren Ordner an — nimm einen neuen, keinen mit anderen Sachen drin. Nenn ihn zum Beispiel meine-website. In Cowork klickst du dann in der Eingabezeile auf Work in a project or folder und wählst genau diesen Ordner aus.
Das ist die wichtigste Entscheidung im ganzen Ablauf. Der Ordner ist der Arbeitsplatz: Was dort liegt, darf Claude lesen und ändern. Was woanders liegt, nicht. Deshalb ein leerer, eigener Ordner und nicht dein Schreibtisch.
3. Beschreiben, was entstehen soll
Jetzt sagst du, was du willst. Nicht in Stichworten, sondern so, wie du es einer Person erklären würdest, die dein Business nicht kennt. Also nicht „bau mir eine Website", sondern eher so:
Bau mir eine Website für mein Coaching-Business. Vier Seiten: Start, Angebot, Über mich, Kontakt. Zielgruppe sind Selbstständige zwischen 35 und 55. Ruhig und aufgeräumt, keine Animationen, gut lesbar auf dem Handy. Auf der Startseite oben mein Angebot in einem Satz, darunter drei Gründe, mit mir zu arbeiten, und ein Knopf zum Kontaktformular. Leg die Dateien direkt in diesem Ordner an.
Je genauer der letzte Teil, desto weniger Nacharbeit. Und: Sag ausdrücklich, dass die Dateien in diesem Ordner entstehen sollen — sonst landen sie irgendwo.
4. Anschauen und ändern
Wenn Claude fertig ist, liegt in deinem Ordner eine Datei namens index.html. Doppelklick darauf, und sie öffnet sich im Browser. Das ist deine Seite — noch nicht im Internet, aber genau so, wie sie später aussehen wird.
Was dir nicht gefällt, sagst du einfach: „Die Überschrift ist zu groß." „Mach den Knopf pink." „Die Über-mich-Seite braucht ein Foto, ich lege es gleich in den Ordner." Claude ändert die Dateien, du lädst die Seite im Browser neu.
Bleib in dieser Schleife, bis es passt. Das kostet nichts extra und geht nicht kaputt — die Dateien liegen bei dir, notfalls fängst du neu an.
5. Zu Hostinger hochladen
Jetzt kommt der Schritt, vor dem die meisten Respekt haben. Er ist einfacher als sein Ruf.
- Melde dich bei Hostinger an und geh ins hPanel.
- Unter Dateien findest du den Dateimanager. Öffne ihn.
- Du landest in einem Ordner namens public_html. Das ist der Ort, den deine Domain anzeigt. Was hier liegt, ist online.
- Pack die Dateien aus deinem Website-Ordner in eine ZIP-Datei, lade sie mit Dateien hochladen hoch, klick sie mit rechts an und wähl Extract.
Fertig. Ruf deine Domain auf, und die Seite ist da. Wenn nicht: In neun von zehn Fällen liegen die Dateien eine Ebene zu tief — also in public_html/meine-website/ statt direkt in public_html/. Verschieb sie eine Ebene hoch.
Der Weg über den Dateimanager ist bei Hostinger offiziell so vorgesehen und dort Schritt für Schritt dokumentiert. Was Cowork darf und was nicht, steht in Anthropics eigener Anleitung.
6. Die Domain
Wenn du deine Domain bei Hostinger gekauft hast, ist nichts weiter zu tun — sie zeigt schon auf public_html. Kommt sie von woanders, trägst du bei deinem alten Anbieter die Nameserver von Hostinger ein. Das dauert ein paar Stunden, bis es überall ankommt.
Wo es klemmt
Damit du nicht mittendrin überrascht wirst — das sind die Stellen, an denen dieser Weg unbequem wird:
- Jede Änderung heißt: wieder hochladen. Ein Wort im Text ändern und neu hochladen fühlt sich beim fünften Mal albern an. Dafür gibt es eine Lösung, siehe unten.
- Die Desktop-App muss offen sein. Zumachen und im Browser weiterarbeiten geht nicht, sobald es um deine Dateien geht.
- Kein Redaktionssystem. Es gibt keinen Login, keinen Editor für später, keinen Blog, der sich selbst verwaltet. Du hast Dateien.
- Formulare brauchen etwas Zusätzliches. Ein Kontaktformular, das wirklich Mails verschickt, geht mit reinen Dateien nicht. Du hängst einen Dienst dran oder verlinkst deine E-Mail-Adresse.
Der Weg für später: hochladen ohne hochladen
Wenn dich das Hochladen nervt, gibt es eine Stufe darüber, und die ist der eigentliche Grund, warum ich diesen Weg mag.
Hostinger kann sich die Dateien selbst holen. Du legst deinen Website-Ordner in ein sogenanntes Repository — eine Ablage im Netz, kostenlos —, verbindest sie einmal mit Hostinger, und ab dann gilt: Was du in der Ablage änderst, ist ein bis zwei Minuten später online. Kein Dateimanager, kein ZIP, kein Klicken.
So läuft die Seite, die du gerade liest. Ich sage Claude, was sich ändern soll, Claude ändert die Dateien, und der Rest passiert von allein. Das ist der Punkt, an dem aus einem Werkzeug ein Ablauf wird — und ab da nimmt es dir wirklich Arbeit ab.
Fang trotzdem mit dem Dateimanager an. Der Umweg ist keiner: Es sind dieselben Dateien, du hebst sie nur später anders hoch.
Für wen lohnt sich das?
Nimm diesen Weg, wenn du die Seite behalten willst, egal was ein Anbieter macht; wenn du ohnehin schon mit Claude arbeitest; wenn du bereit bist, einen halben Tag zu investieren statt einer Stunde.
Nimm den Baukasten, wenn es schnell gehen muss; wenn du später selbst klicken statt schreiben willst; wenn dir Ordner und Dateien fremd sind. Der Weg über Hostinger Horizon ist dann nicht der schlechtere, sondern der passendere.
Und wenn du wissen willst, was beides gegen eine Agentur kostet: Das rechnet Was kostet eine Website für fünf Wege durch.
Häufige Fragen
Was macht Claude Cowork?
Cowork ist der Arbeitsmodus der Claude-Desktop-App. Statt dir Text im Chat zu geben, arbeitet Claude in einem Ordner auf deinem Rechner: legt Dateien an, ändert sie, sortiert sie. Für längere Aufgaben, die aus vielen Schritten bestehen — zum Beispiel eine ganze Website mit mehreren Seiten.
Was kostet Claude Cowork?
Cowork selbst kostet nichts extra, ist aber in keinem Gratistarif enthalten. Du brauchst einen bezahlten Claude-Tarif; der günstigste ist Pro mit 15 Euro netto im Monat bei jährlicher Zahlung, rund 18 Euro bei monatlicher. Max, Team und Enterprise enthalten Cowork ebenfalls.
Läuft Claude Cowork auf Mac und Windows?
Ja, die Desktop-App gibt es für beide Systeme, und der Ablauf ist derselbe. Im Browser und auf dem Handy gibt es Cowork inzwischen auch — dort allerdings ohne Zugriff auf deine lokalen Dateien. Für eine Website brauchst du deshalb den Rechner mit geöffneter App.
Wie richte ich Claude Cowork ein?
Desktop-App aus deinem Claude-Konto herunterladen, installieren, anmelden. Dann in der Eingabezeile auf „Work in a project or folder" klicken und einen Ordner auswählen. Mehr ist es nicht. Nimm für den Anfang einen leeren Ordner — Claude arbeitet nur dort, wo du es erlaubst.
Kann Claude eine komplette Website bauen?
Mehrere verbundene Seiten mit gemeinsamer Gestaltung: ja, das ist genau der Fall, für den sich Cowork eignet. Was nicht entsteht, ist ein Redaktionssystem mit Login, ein Shop oder ein Kontaktformular, das von allein Mails verschickt. Dafür brauchst du zusätzliche Dienste.
Was ist der Unterschied zu Hostinger Horizon?
Horizon ist ein Baukasten: Du beschreibst deine Seite, sie entsteht beim Anbieter, und du änderst sie dort im Editor. Cowork erzeugt echte Dateien auf deinem Rechner, die du selbst hochlädst und überallhin mitnehmen kannst. Horizon ist schneller, Cowork gehört dir.
Brauche ich Programmierkenntnisse?
Nein. Du beschreibst in normaler Sprache, was entstehen soll, und Claude schreibt den Code. Was du können musst, ist etwas anderes: einen Ordner anlegen, eine Datei öffnen, etwas hochladen. Wenn du schon einmal Fotos in einen Ordner sortiert hast, reicht das.