» blog · 4. August 2026 · Umsetzung

„Ich weiß nicht, was ich konkret mit KI machen soll“

Der Satz, den ich am häufigsten höre — und warum die üblichen Antworten nicht helfen. Die Frage, die stattdessen weiterbringt, an einem ganz banalen Beispiel.

Es gibt einen Satz, den ich öfter höre als jeden anderen. Er kommt meistens nach dem dritten oder vierten Anlauf, und er klingt fast immer entschuldigend:

„Kirsten, ich weiß überhaupt nicht, was ich konkret mit KI machen soll."

Das ist kein Anfängerinnen-Satz. Er kommt von Frauen mit einem laufenden Business, die längst etwas ausprobiert haben. Sie haben Videos gesehen, Prompts gespeichert, Werkzeuge angetestet. Der Ordner mit den Tutorials ist voll. Passiert ist trotzdem nichts.

Ich glaube, das liegt nicht an dir. Es liegt daran, dass fast alle die falsche Frage beantworten.

Warum die üblichen Antworten nicht helfen

Wenn du fragst, was man mit KI machen kann, bekommst du eine Liste. Zehn Werkzeuge, fünfzehn Prompts, sieben Anwendungsfälle. Alles richtig, alles gut gemeint — und trotzdem landest du danach wieder da, wo du vorher warst.

Der Grund ist einfach: Eine Liste beantwortet die Frage „Was ginge alles?" Deine eigentliche Frage ist aber „Was mache ich am Montagmorgen?"

Zwischen diesen beiden Fragen liegt der ganze Unterschied. Die erste erzeugt Möglichkeiten — und Möglichkeiten kann man sammeln. Die zweite erzeugt eine Entscheidung, und Entscheidungen sind unbequem, weil man danach etwas tun muss.

Deshalb sammeln so viele weiter. Nicht aus Faulheit, sondern weil Sammeln sich nach Fortschritt anfühlt und keine Entscheidung verlangt.

Die Frage, die stattdessen weiterhilft

Dreh sie um. Frag nicht, was KI kann. Frag:

Welche Aufgabe mache ich immer wieder — und beschreibe ich dabei jedes Mal dasselbe?

Das ist der Punkt, an dem etwas abgebbar wird. Nicht weil die Aufgabe unwichtig wäre, sondern weil sie einem festen Muster folgt: Du sammelst ein paar Informationen, wendest dein Wissen darauf an, und heraus kommt ein Ergebnis in immer derselben Form.

Genau das kann eine Maschine übernehmen. Nicht dein Urteil — aber den Weg von der Information zum Ergebnis.

Ein Beispiel aus dem Alltag — absichtlich ohne Business

Ich zeige dir das an einer Alltagsaufgabe, die jede kennt und niemand mag: ein passendes Geschenk finden.

Wenn du darüber nachdenkst, wie du das machst, läuft es immer gleich ab. Du überlegst, für wen es ist. Welcher Anlass. Wie viel du ausgeben willst. Was die Person mag. Und was auf keinen Fall geht — die Kerze, die sie schon dreimal bekommen hat.

Fünf Angaben. Danach denkst du nach und kommst auf ein paar Ideen. Das dauert bei mir früher eine halbe Stunde, oft mit einem mittelmäßigen Ergebnis.

Diesen Ablauf habe ich aufgeschrieben und abgegeben. Herausgekommen ist Schenkgenie: Du beantwortest dieselben fünf Fragen, und bekommst zehn Vorschläge — jeder mit Begründung und Preisrahmen. Kostenlos, ohne Anmeldung.

Probier es aus, bevor du weiterliest. Ernsthaft. Es dauert zwei Minuten, und der Rest dieses Artikels ergibt danach mehr Sinn. Wenn dir gerade niemand einfällt: Es gibt fertige Seiten für die typischen Fälle, etwa Geschenkideen für die Oma.

Was daran wichtig ist — und was nicht

Das Beispiel ist bewusst banal. Es geht nicht um Geschenke, und es geht auch nicht darum, dass ich etwas gebaut habe.

Es geht um das, was zwischen der Aufgabe und dem Ergebnis passiert ist: Jemand hat einmal sauber aufgeschrieben, welche Angaben nötig sind, was damit geschehen soll und wie das Ergebnis aussehen muss.

Das ist die ganze Arbeit. Nicht die Technik.

Und weil das so wenig mit Technik zu tun hat, funktioniert es bei dir genauso — mit den Aufgaben, die du seit Jahren immer wieder machst.

Wie das in deinem Business aussieht

Drei Beispiele, die ich in fast jedem Business finde. Vermutlich erkennst du mindestens eins wieder.

Das Angebot. Eine Interessentin fragt an. Du schaust dir an, was sie braucht, überlegst Umfang und Preis, und schreibst ein Angebot — inhaltlich neu, in der Form aber wie immer. Das ist ein Muster: Anfrage rein, strukturiertes Angebot raus.

Das Erstgespräch. Du sprichst mit einer möglichen Kundin und stellst im Kern dieselben Fragen. Danach ordnest du ein, ob sie passt und was sie brauchen würde. Auch das ist ein Muster — und die Nachbereitung erst recht.

Das Nachfassen. Jemand hat ein Angebot bekommen und meldet sich nicht. Du schreibst eine Erinnerung, freundlich, nicht drängelnd, mit Bezug auf das Gespräch. Zum fünfzigsten Mal, immer neu formuliert, immer nach demselben Muster.

Bei allen dreien gilt: Dein Urteil bleibt bei dir. Was abgegeben werden kann, ist der Weg von den Angaben zum fertigen Text.

So gehst du vor

Vier Schritte. Kein Werkzeug-Vergleich, keine Vorbereitung, die Wochen dauert.

1. Such dir eine Aufgabe — genau eine. Nimm die, die du diese Woche mindestens zweimal machst und die dich am meisten nervt. Nicht die wichtigste. Die lästigste.

2. Schreib auf, wie du sie machst. Als würdest du es einer neuen Mitarbeiterin erklären: Welche Angaben brauchst du? Was machst du damit? Wie sieht das Ergebnis aus? Woran erkennst du, dass es gut ist? Das ist der Teil, den fast alle überspringen — und der über Gelingen oder Scheitern entscheidet.

3. Gib es ab und prüfe. Erste Fassung ansehen, korrigieren, präzisieren. Nicht erwarten, dass es sofort sitzt. Erwarten, dass es nach der dritten Runde sitzt.

4. Benutz es beim nächsten Mal wirklich. Das ist der Schritt, an dem es meistens scheitert. Nicht wieder von vorn anfangen, sondern das nehmen, was schon da ist.

Wenn du magst, kannst du das Ergebnis so ablegen, dass es dauerhaft abrufbar bleibt — wie das geht, habe ich hier beschrieben.

Warum es trotzdem oft nicht passiert

Drei Gründe, alle nachvollziehbar.

„Ich bin nicht technikaffin genug." Du brauchst keine Technik. Du brauchst die Fähigkeit, deine eigene Arbeit zu beschreiben — und die hast du, sonst hättest du kein Business. Beim Geschenke-Beispiel war der schwierige Teil, die fünf richtigen Fragen zu finden. Nicht das Bauen.

„Ich warte noch, bis ich das richtige Werkzeug gefunden habe." Das Werkzeug ist selten das Problem. Fang mit dem an, das du schon bezahlst. Was das kostet und welcher Zugang reicht, habe ich hier vorgerechnet.

„Ich habe gerade keine Zeit dafür." Der ehrlichste Einwand — und der teuerste. Die Aufgabe, die du zweimal pro Woche machst, kostet dich im Jahr über hundert Wiederholungen. Ein Nachmittag jetzt gegen hundert Wiederholungen später.

Was ich dir mitgeben will

Du brauchst keinen Überblick über KI, um KI zu nutzen. Den bekommst du sowieso nicht, das Feld ändert sich schneller, als man mitliest.

Was du brauchst, ist eine einzige Aufgabe, die nächste Woche anders läuft als diese Woche. Eine. Danach weißt du aus eigener Erfahrung, wie es geht — und die zweite dauert nur noch halb so lang.

Das ist der Unterschied zwischen Sammeln und Umsetzen. Und er ist kleiner, als er von außen aussieht.

Und wenn du das nicht allein machen willst: In meiner kostenfreien Community zeigen Solopreneurinnen, welche Aufgabe sie zuerst abgegeben haben — was funktioniert hat und was nicht. Oft reicht es schon zu sehen, womit jemand anders angefangen hat.

zur community →

Häufige Fragen

Was kann ich als Selbstständige konkret mit KI machen?

Am sinnvollsten fängst du bei einer Aufgabe an, die du regelmäßig wiederholst und die immer demselben Muster folgt: Angebote schreiben, Erstgespräche nachbereiten, Anfragen beantworten, nachfassen. Nicht bei der wichtigsten Aufgabe, sondern bei der lästigsten. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern dass du einmal sauber beschreibst, welche Angaben nötig sind und wie das Ergebnis aussehen soll.

Was kann man mit KI alles machen?

Ehrlich: mehr, als jede Liste abbilden kann — und genau deshalb bringt dich die Frage nicht weiter. Nützlicher ist die Umkehrung: Welche deiner Aufgaben folgt einem festen Muster? Texte mit immer gleichem Aufbau (Angebote, Nachfass-Mails, Zusammenfassungen), Auswertungen nach immer gleichen Kriterien, Recherchen mit immer gleichen Fragen — das sind die Kandidaten, bei denen KI sofort trägt.

Wie nutze ich KI sinnvoll im Alltag?

Nach demselben Prinzip wie im Business: bei wiederkehrenden Aufgaben mit festem Muster. Das Geschenke-Beispiel oben ist genau das — eine Alltagsaufgabe mit fünf immer gleichen Angaben. Auch Essensplanung, Reisevorbereitung oder das Vorsortieren von Unterlagen laufen nach Mustern ab. Sinnvoll heißt dabei: nicht überall ein bisschen, sondern eine Aufgabe ganz.

Ich bin nicht technikaffin — kann ich das trotzdem?

Ja. Der schwierige Teil ist nicht die Technik, sondern die Beschreibung deiner eigenen Arbeit: Welche Informationen brauchst du, was machst du damit, woran erkennst du ein gutes Ergebnis. Das kannst du, sonst würde dein Business nicht laufen. Die Umsetzung übernimmt die KI.

Womit soll ich anfangen, wenn ich schon zu viele Werkzeuge habe?

Mit keinem neuen. Nimm das Werkzeug, für das du ohnehin schon zahlst, und wende es auf genau eine Aufgabe an. Ein weiteres Werkzeug ist in dieser Lage kein Fortschritt, sondern eine Verlängerung des Sammelns.

Wie lange dauert es, bis sich das lohnt?

Bei einer Aufgabe, die du zweimal pro Woche machst, kommst du im Jahr auf über hundert Wiederholungen. Wenn du einen Nachmittag investierst und danach pro Durchgang zehn Minuten sparst, hast du die Investition nach wenigen Wochen zurück. Wichtiger als die Rechnung ist aber, dass du nach der ersten Aufgabe weißt, wie es geht — die zweite dauert nur noch halb so lang.

Woran erkenne ich, dass eine Aufgabe sich zum Abgeben eignet?

An drei Merkmalen: Du machst sie regelmäßig, du brauchst dafür immer dieselben Angaben, und das Ergebnis hat immer dieselbe Form. Trifft alles drei zu, ist sie geeignet. Sobald jede Wiederholung völlig anders aussieht oder dein persönliches Urteil den Kern ausmacht, bleibt sie besser bei dir.

Kirsten Biema
» kirsten biema

Die mit KI im Namen. Über 25 Jahre Unternehmerin, mehr als 10 davon online. Ich fange nie beim Werkzeug an — sondern bei deinem Business. YouTube: „KI — aber richtig". Solche Anleitungen regelmäßig? Hol dir den Newsletter.

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