Du hast Claude, du hast ein paar gute Prompts gespeichert – und trotzdem erklärst du in jedem neuen Chat wieder, wer du bist, was du anbietest und wie du klingst. Das liegt nicht an dir und nicht an Claude. Es liegt daran, dass ein Chat-Fenster kein Mitarbeiter ist. Ein Mitarbeiter kennt dein Business. Genau dafür gibt es Claude Projekte: den Ort, an dem Claude dein Business einmal kennenlernt und danach nie wieder fragen muss. Und seit dieser Woche gibt es einen zweiten Grund, sich das jetzt anzuschauen: Claude Opus 5.5, das neue Modell, nach dem gerade alle suchen. Die kurze Antwort vorweg: Das bessere Modell macht Claude klüger. Das Projekt macht Claude zu deinem.
Ich gehe beides der Reihe nach durch: was ein Projekt ist, was hineingehört, wie du es anlegst – und dann, was an Opus 5.5 wirklich neu ist und warum die beiden zusammengehören.
Was sind Claude Projekte?
Ein Claude-Projekt ist ein eigener Arbeitsbereich in Claude. Er hat drei Teile:
- Projektanweisungen: Was Claude in diesem Projekt immer wissen und beachten soll. Wer du bist, für wen du arbeitest, wie du schreibst, was nie passieren darf.
- Wissensbasis: Dateien, auf die Claude in jedem Chat des Projekts zugreift. Dein Angebot, deine Preise, Texte in deinem Ton, Vorlagen.
- Chats: Die Gespräche, die du innerhalb des Projekts führst. Jeder startet mit demselben Wissen im Rücken.
Der Unterschied zum normalen Chat ist einfach: Du erklärst dich einmal statt jedes Mal neu. Wichtig zu wissen: Die Chats innerhalb eines Projekts teilen nicht automatisch alles miteinander. Was Claude dauerhaft wissen soll, gehört in die Anweisungen oder in die Wissensbasis – nicht in einen einzelnen Chat, der irgendwann in der Liste verschwindet.
Projekte gibt es in jedem Abo, auch im kostenlosen. Im Free-Plan sind es höchstens fünf. In den bezahlten Abos kommt etwas Entscheidendes dazu: Wenn deine Wissensbasis zu groß für ein einzelnes Gespräch wird, schaltet Claude automatisch auf eine Suche in deinen Dateien um. Laut Anthropic passt so bis zu zehnmal mehr hinein. Was die Abos kosten, steht in Was kostet Claude?
Warum ein Projekt mehr bringt als der beste Prompt
Die meisten, die mit Claude anfangen, sammeln Prompts. Einen für den Newsletter, einen für LinkedIn, einen für Angebote. Das Problem: Jeder Prompt muss das ganze Business mitschleppen – oder die Antwort wird generisch. Und generische Antworten sind genau das, was dich am Ende doch wieder selbst an den Schreibtisch setzt.
Ein Projekt dreht das um. Das Wissen über dein Business liegt an einer Stelle, und die Aufgabe darf kurz sein. So sieht das im Alltag aus – ein Beispiel, wie wir es im Claude Sprint aufsetzen:
Dienstag, 9:12 Uhr, in deinem Claude-Projekt.
Du: „Mach aus dem Video von gestern den Newsletter.“
Claude: „Hier ist der Entwurf: Betreff, drei Absätze in deiner Sprache, PS mit dem Link zum Angebot. Willst du noch etwas ändern?“
Du: „Passt. Mach.“
9:14 Uhr. Newsletter fertig zum Rausschicken.
Das funktioniert nicht, weil der Prompt so gut ist. Er ist ein Satz. Es funktioniert, weil Claude weiß, wie dein Newsletter aussieht, wie du deine Leserinnen ansprichst und welches Angebot gerade dran ist. Danach fragst du nicht mehr „Kannst du mir helfen?“. Du sagst „Mach.“
Was in dein Claude-Projekt gehört
Ein Business-Projekt braucht keine hundert Dateien. Es braucht die Dinge, die du sonst in jedem Chat erklären würdest:
| Baustein | Was hineingehört | Wo es hingehört |
|---|---|---|
| Wer du bist | Dein Business in fünf Sätzen, deine Haltung, was dich unterscheidet | Anweisungen |
| Wen du bedienst | Deine Kundinnen: wo sie stehen, was sie wollen, was sie nervt | Anweisungen |
| Wie du sprichst | Du oder Sie, Wörter, die du nie benutzt, zwei, drei Texte als Beispiel | Anweisungen + Wissensbasis |
| Was du verkaufst | Deine Angebote mit Preisen, Terminen und Grenzen | Wissensbasis |
| Wie Ergebnisse aussehen | Vorlagen für Newsletter, Angebot, Antwort auf Anfragen | Wissensbasis |
Zwei Regeln helfen dabei. Erstens: Was sich ändert, gehört in eine Datei, nicht in die Anweisungen. Preise und Termine wechseln – die Datei tauschst du aus, die Anweisungen bleiben. Zweitens: Aktuell halten ist wichtiger als vollständig sein. Ein altes Angebot in der Wissensbasis ist schlimmer als gar keins, weil Claude es ernst nimmt.
Ein Projekt ist übrigens nicht dasselbe wie ein Skill. Das Projekt ist das Wissen über dein Business. Ein Skill ist eine Arbeitsweise, die Claude für eine bestimmte Aufgabe abruft. Wie das zusammenspielt, habe ich in Claude Skills für dein Business aufgeschrieben.
Claude Projekte anlegen: so geht es
- Projekte öffnen. In der linken Leiste auf „Projects“ klicken oder direkt
claude.ai/projectsaufrufen. - Neues Projekt. Oben rechts auf „+ New Project“, Namen und Beschreibung eintragen. Achtung: Name und Beschreibung sieht Claude nicht. Alles, was Claude wissen soll, gehört in die Anweisungen.
- Anweisungen setzen. Auf „Set project instructions“ klicken, eintragen, speichern. Sie gelten für jeden Chat im Projekt.
- Wissen hochladen. Rechts in der Wissensbasis auf „+“ klicken und Dateien oder Text hinzufügen.
- Chats einsortieren. Einen bestehenden Chat holst du über den kleinen Pfeil neben dem Chat-Namen und „Add to project“ ins Projekt.
In Team- und Enterprise-Abos kannst du Projekte außerdem mit anderen teilen – mit Lese- oder Bearbeitungsrechten. Für ein Ein-Personen-Business ist das erst dann interessant, wenn eine Assistenz mitarbeitet.
Wann sich ein Projekt lohnt – und wann ein Chat reicht
Die Faustregel: Alles, was wiederkommt, gehört in ein Projekt. Newsletter, Angebote, Antworten auf Anfragen, Beiträge, das Nachfassen nach dem Erstgespräch. Überall dort, wo Claude dein Business kennen muss, damit das Ergebnis nach dir klingt.
Ein normaler Chat reicht für alles, was einmalig ist oder nichts mit deinem Business zu tun hat: eine schnelle Frage, eine Übersetzung, die Rechnung, die du nachrechnen willst. Wer dafür jedes Mal ein Projekt anlegt, hat am Ende zwanzig Projekte und findet keins mehr. Für den Anfang reicht eins: dein Business-Projekt. Wenn es läuft, kommen weitere dazu – etwa eins pro großem Angebot.
Opus 5.5: Warum gerade alle danach suchen
Am 22. September 2026 hat Anthropic Claude Opus 5.5 veröffentlicht, das erste Modell einer neuen 5.5-Generation. Dass danach gerade alle suchen, hat einen einfachen Grund: Opus ist das Modell, mit dem die meisten im Abo jeden Tag arbeiten. Wenn Opus besser wird, wird dein Alltag besser – nicht nur der von Entwicklern. Wie groß das Interesse ist, zeigt die letzte Runde: Als Opus 5 im Juli kam, stiegen die Suchen nach „claude opus 5“ in Deutschland von 320 im Juni auf 12.100 im Juli.
Anthropic fasst Opus 5.5 in einem Satz zusammen: Es arbeitet bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau von Claude Fable 5.1 und kostet im Betrieb 40 Prozent weniger als Opus 5.
Was ist das Besondere an Opus 5.5?
Aus der Ankündigung sind es vier Punkte, die für dich zählen:
- Fable-Niveau im normalen Abo. Fable 5.1 ist das stärkste Modell, aber teuer: Im Max-Abo zählt es stark auf dein Kontingent, im Pro-Abo läuft es nur über zusätzliches Nutzungsguthaben. Opus 5.5 kommt bei den meisten Aufgaben dort an – und läuft über dein normales Abo. In Anthropics Tests liegt es sogar vorn. Ehrlich dazu: Anthropic schreibt selbst, dass der Vorsprung im Alltag kleiner ist, als die Zahlen vermuten lassen.
- Es schreibt klarer. Das Wichtigste steht vorn, weniger Fachjargon, und Opus 5.5 hält sich an die Schreibregeln, die du ihm gibst. Aus der Testgruppe kam der Satz: „Es schreibt so, wie ich schreibe.“ Genau hier greift dein Projekt: Deine Anweisungen zu Ton und Sprache werden genauer umgesetzt.
- Es erfindet weniger. In einem Test von Anthropic sollten die Modelle einen Bericht über die Quartalszahlen eines Unternehmens schreiben, nur aus Quellen im Netz. Jede erfundene Zahl und jedes erfundene Zitat hieß: durchgefallen. Opus 5.5 bestand 16 von 18 Durchgängen. Fable 5.1 und Opus 5 bestanden keinen einzigen.
- Mehr Luft im Abo. Anthropic hat die Fünf-Stunden-Limits in Pro, Max und Team erhöht. Dazu gibt es einmalig ein Limit-Reset, das du aufheben kannst: unter Einstellungen, „Usage“, dort steht auch, bis wann es gilt. Und die Antworten kommen gut 30 Prozent schneller als bei Opus 5.
Für die, die es genau wissen wollen, drei Werte aus Anthropics eigenen Tests. Sie stammen vom Hersteller, das gehört dazu:
| Test | Was er misst | Opus 5.5 | Fable 5.1 | Opus 5 |
|---|---|---|---|---|
| GDPval-AA | Echte Büroarbeit aus 44 Berufen | 1846 | 1735 | 1708 |
| AutomationBench | Geschäftsabläufe über verbundene Programme (Zapier) | 40,0 % | 31,4 % | 26,9 % |
| OSWorld 2.0 | Arbeiten am Computer wie ein Mensch | 81,8 % | 80,7 % | 74,0 % |
Was du nicht brauchst: die Programmier-Tests, die API-Preise (für Entwickler 4 und 20 Dollar je Million Token) und die neuen Sicherheitsprogramme für Biologie und Cybersicherheit. Die sind wichtig, aber nicht für dein Business-Projekt.
Opus 5.5 und Claude Projekte: warum das zusammengehört
Ein besseres Modell weiß immer noch nichts über dich. Opus 5.5 kann klüger denken, klarer schreiben und sauberer recherchieren – aber es kennt weder deine Kundinnen noch deine Preise noch deinen Ton. Das steht in deinem Projekt. Umgekehrt holt ein gutes Projekt aus einem schwächeren Modell nur begrenzt etwas heraus. Erst zusammen wird daraus der Mitarbeiter, der liefert.
Und das Projekt selbst wird gerade umgebaut. Seit dem 17. September testet Anthropic eine neue Fassung: Ein Projekt ist dann ein einziges, lang laufendes Gespräch, in dem Claude die Arbeit selbst in parallele Stränge aufteilt, die in der Cloud weiterlaufen, auch wenn du den Laptop zuklappst. Das startet als Beta in Claude Code für ausgewählte Pro- und Max-Abos. Chat, Cowork, Team und Enterprise folgen, deine bestehenden Projekte laufen unverändert weiter. Mehr dazu in Claude Cowork wird Claude. Für dich heißt das: Was du heute in dein Projekt legst, nimmst du in die neue Fassung mit. Anfangen lohnt sich also jetzt.
Was du jetzt tun solltest
- Ein Business-Projekt anlegen. Nicht fünf. Eins, mit den Bausteinen aus der Tabelle oben.
- Opus 5.5 auswählen. In der Modellauswahl des Chats. Die Einstellung gilt für das Gespräch, in dem du arbeitest.
- Deine Anweisungen einmal lesen. Opus 5.5 hält sich genauer an das, was dort steht. Widersprüche und veraltete Regeln fallen jetzt stärker auf.
- Das Limit-Reset aufheben. Nicht für die schnelle Frage verbrauchen, sondern für die lange Sitzung, in der du dein Projekt aufbaust. Das Reset gibt es nur im Browser oder in der Desktop-App, nicht auf dem Handy.
Das Projekt ist schnell angelegt. Schwieriger ist die Frage, was wirklich hineingehört. Genau darüber tauschen wir uns in meiner kostenlosen Community „KI — aber richtig" aus. Und wenn du das nicht allein, sondern begleitet machen willst: In der KI Business Community gibt es dafür monatliche Live-Calls und Workshops.
Häufige Fragen
Was sind Claude Projekte?
Ein Claude-Projekt ist ein eigener Arbeitsbereich mit drei Teilen: Projektanweisungen, einer Wissensbasis mit deinen Dateien und den Chats, die du darin führst. Alles, was in Anweisungen und Wissensbasis steht, kennt Claude in jedem Chat dieses Projekts. Du erklärst dein Business einmal statt jedes Mal neu.
Wie viele Projekte kann ich in Claude kostenlos anlegen?
Im Free-Plan kannst du bis zu fünf Projekte anlegen. In den bezahlten Abos Pro, Max, Team und Enterprise gibt es diese Grenze nicht, und große Wissensbasen werden automatisch so verarbeitet, dass bis zu zehnmal mehr Inhalt hineinpasst.
Wie verschiebe ich einen Chat in ein Projekt?
Klick im Chat auf den kleinen Pfeil neben dem Chat-Namen und wähle „Add to project“. Dann suchst du das passende Projekt aus. Über dasselbe Menü nimmst du einen Chat auch wieder aus einem Projekt heraus oder verschiebst ihn in ein anderes.
Was ist Claude Opus 5.5?
Opus 5.5 ist das neue Hauptmodell von Anthropic, erschienen am 22. September 2026. Es arbeitet laut Anthropic bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau von Claude Fable 5.1, kostet im Betrieb 40 Prozent weniger als Opus 5 und liefert Antworten gut 30 Prozent schneller.
Ist Opus 5.5 im Pro-Abo enthalten?
Ja. Opus 5.5 steht seit dem 22. September 2026 in Pro, Max und Team in der Modellauswahl. Anthropic hat dazu die Fünf-Stunden-Limits dieser Abos erhöht und schenkt einmalig ein Limit-Reset, das du aufheben und einsetzen kannst, wann du willst. Im Free-Plan ist Opus 5.5 nach bisherigen Berichten nicht auswählbar.
Das Modell wird klüger. Dein Business kennt es erst durch dein Projekt.
Opus 5.5 ist ein echter Sprung, und er kommt ohne Aufpreis in dein Abo. Aber wer Claude weiter wie ein Chat-Fenster benutzt, bekommt einfach klügere Antworten auf dieselben generischen Fragen. Der Unterschied entsteht dort, wo Claude dein Business kennt – in deinem Projekt.
Genau damit fangen wir im Claude Sprint an: Am Montag legen wir dein Business-Projekt in Claude an – wer du bist, wen du bedienst, wie du sprichst, was du verkaufst. Einmal, dann nie wieder erklären. An den Tagen danach bauen wir drei Jobs, die Claude ab dann für dich erledigt. 5. bis 9. Oktober 2026, jeweils 9:30 bis 11:00 Uhr, live über Google Meet.